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Wildhege


Jäger sind für die Natur verantwortlich

Durch den Straßenbau, die Erweiterung der Städte und den Wohnungsbau sind natürliche Flächen in den Niederlanden immer weiter zurückgegangen. Dennoch leben in unserem Lande viele Tiere in freier Natur. Dies ist u. a. der Fauna- und Naturpflege von ungefähr 26.500 Jägern zu verdanken, die viel Arbeit in der freien Natur leisten. Die Koninklijke Nederlandse Jagers Vereniging(KNJV) kümmert sich um die Interessen der Jäger und ist sachverständig im Bereich von Jagd, Schadensbekämpfung und Pflege der Fauna.

Der KNJV ist eine landesweite Organisation mit ungefähr 21.000 Mitgliedern. Sie führt Untersuchungen der Entwicklung des Wildes und der Wildschaden verursachenden Arten durch und gibt den Wildhegeeinrichtungen (WBE, örtliche Jagdverbände) Empfehlungen für die Hege der Tierarten in deren Lebensumgebung.

Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Jäger sind im Flora- und Faunagesetz festgelegt. Der Jäger strebt in seinem Gebiet einen Wildbestand an, der einerseits keine Bedrohung darstellt, u. a. für die Land- und Waldwirtschaft und die öffentliche Sicherheit, und die andererseits den Tieren optimale Lebensbedingungen schafft.

Die Jagd ist eine nachhaltige Nutzung der Natur

Der Jäger geht beim Jagen von dem Prinzip der “nachhaltigen Nutzung” der Natur aus, in Europa auch als “ sustainable hunting’“ oder auch „wise use“ bezeichnet. Er sondert einen bestimmten Teil aus der Population aus, so dass der Bestand auf einer vernünftigen Höhe bleibt. Der KNJV ist der Ansicht, dass die nachhaltige Bejagung zur Wahrung der Biovielfalt beiträgt, weshalb sich der KNJV dem Countdown 2010 angeschlossen hat.

Nahezu alle Länder der Welt sind 2002 in Rio de Janeiro (Brasilien) zum Weltgipfel der Nachhaltigen Entwicklung zusammengetroffen. Sie versprachen, bis 2010 eine erhebliche Verringerung bei der derzeitigen Verlustrate der biologischen Vielfalt zu erreichen.

Der Countdown 2010 und seine Partner helfen den Regierungen weltweit bei der Erreichung der Zielsetzung der Biodiversität. Mit einer umfangreichen Zahl von Aktivitäten auf allen Ebenen lenkt man die Aufmerksamkeit auf die Wahrung der biologischen Vielfalt: Entscheidungsträger werden dazu aufgerufen, nach Kräften daran mitzuwirken, um das Versprechen zur Rettung der Biodiversität zu erfüllen und selbst Maßnahmen zu ergreifen, um den Verlust an biologischer Vielfalt entgegen zu wirken.

Jäger sind schon aus ihrem ureigensten Interesse in die Bewahrung von Tierarten und Biotopen (Habitats) eingebunden und sind häufig die Ersten, denen ein Verlust in der Biodiversität auffällt. Außerdem sind Jäger schon seit vielen Jahren bei der Wiederherstellung und Schaffung von Biotopen beteiligt, wodurch man dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegen wirken will. Aus diesen Gründen beschloss die Landesverwaltung der KNJV, den Verband bei der Initiative Countdown 2010 anzumelden.

Jäger sind freiwillige Dienstleister

Wenn durch Tierarten Schäden an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen angerichtet wurden (oder solche Schäden drohen), erbringt der Jäger aufgrund des betreffenden Landwirts seine Dienstleistungen. Jäger zählen auch die Tierarten, damit man sich ein klares Bild von der jeweiligen Entwicklung dieser Tierpopulationen verschaffen kann. Außerdem engagieren sich die Jäger in der sogenannten Biotopverbesserung, indem sie die Lebensbedingungen der freilebenden Wildtiere verbessern.

Sie bringen auch Wildspiegel an, um Kollisionen zu vermeiden und sie bekämpfen Wildschäden. Außerdem haben die Jäger eine wichtige Signalwirkung gegen die Wilderei. Dabei arbeiten Sie mit Landwirten, Liegenschaftsmanagern und Gesetzeshütern zusammen. Von der tierfreundlichen Pflege von Grabenrändern, Straßenrändern, Grundstücksrändern und der Anpflanzung und Instandhaltung von Wallhecken profitiert nicht nur das Wild, sondern auch Schmetterlinge, Vögel, Marderartige und andere geschützte Tiere gehören dazu. Dies wiederum ist gut für die Biodiversität.

Jagen, Pflegen und Bekämpfen

Im Herbst und im Winter wird das meiste Wild gegessen, denn das ist der Zeitraum, an welchem die Wildarten gejagt werden. Die Jungtiere sind dann selbstständig, und die Population ist am größten. Das Flora- und Faunagesetz unterscheidet in den Niederlanden fünf Wildarten mit eigenen Jagdzeiten: Feldhase, Wildkaninchen, Fasan, Wildente und Wildtaube.

Das Rebhuhn ist auch eine Wildart, darf heute jedoch aufgrund des geringen Bestandes nicht bejagt werden. Außerdem werden Jäger das ganze Jahr hindurch für die Kontrolle der Populationen großer Huftiere hinzugezogen: Rehe, Edelhirsche, Damhirsche und Wildschweine und zur Verhütung und Bekämpfung von Schäden, z. B. Gänse. Deshalb gibt es auch ganzjährig ein Wildangebot zum Verzehr. Im Sommer lässt sich Wild z. B. ausgezeichnet zum Grillen zubereiten.

Jäger wirken also bei der Bekämpfung (drohender) Land- und Forstwirtschaftsschäden mit: Landbaupflanzen und junge Baumschonungen bilden für viele Tiere eine attraktive Nahrungsquelle. Sie verzehren diese Pflanzen, verschmutzen oder zertreten sie, wühlen Äcker um. Die Bodennutzer müssten viel tun, um Wildschäden an ihren Pflanzen, z. B. durch Wildschweine und Gänse, zu verhindern. Deshalb stellen sie Schreckschussaparate, Flaggen und Bänder, Vogelscheuchen und Umzäunungen auf. Wenn diese Mittel den Schaden nicht hinreichend einschränken, nehmen Land- und Forstwirte die Jäger in Anspruch. Es kommt auch vor, dass die Behörden sich „unmittelbar“ an die Wildhegeeinrichtungen wenden (Jagdvereinigungen), man denke z. B. an den Abschuss von Gänsen in einer Zone rund um den Flughafen Schiphol in Zusammenhang mit der Flugsicherheit.

Wildhegeeinheiten

Um ihre Arbeit gut leisten zu können, arbeiten die Jäger in Wildhegeeinheiten (WBE/wildbeheereenheden) zusammen. Diese Einheiten verfügen durchschnittlich über eine Fläche von rund 5.000 ha. Zum Zwecke einer guten Abstimmung und Koordinierung von Jagd, Hege und Schadensbekämpfung gibt es ein landesweites Netzwerk von 300 WBE. Diese kartieren beispielsweise die Populationen und führen je Provinz Faunahegepläne durch. Die erfassten Faunadaten werden landesweit in der WBE-Datenbank des KNJV gesammelt und bilden einen Teil der Grundlage für die Fauna-Verwaltungspläne.

Ein wichtiges Element in der Arbeit der WBE ist die Verbesserung der Lebensumgebung, des Biotops der Wildtiere. Durch den Einfluss des Menschen sind große Teile der Niederlande für das Wild sehr unbewohnbar geworden. Die WBE wollen hieran etwas tun, indem sie:

  • Wallhecken instand halten und anlegen;
  • sogenannte “ Eckenüberstände” bewachsen lassen: Stücke der Flächen, wo der Landwirt mit seinen modernen Maschinen nicht mehr arbeiten kann;
  • Wildäcker anlegen, wo sowohl Nahrung als auch Deckung für das Wild vorhanden ist;
  • beim Brachliegen von landwirtschaftlichen Flächen zugunsten des Wildes vermitteln und Empfehlungen geben;
  • kleine Tümpel und Plätze als Brutmöglichkeiten und Rückzugsorte für Wasserwild anlegen und instand halten. Auch andere Vogelarten, Amphibien und Insekten profitieren davon.
  • Wildspiegel anbringen, um Zusammenstöße mit dem Wild zu vermeiden;
  • Wildretter den Landwirten zur Verfügung stellen, um Mähunfälle zu vermeiden;
  • Wildtreppen aufstellen: erkletterbare Stücke entlang der Kaimauern, wo das ins Wasser geratene Wild den steilen Rand eines Kanals erklimmen kann.

 

Provinzweite Kooperation in Wildhegeeinheiten

Jagdpächter ebenso wie die Staatsforstverwaltung, Naturdenkmalverwaltung, Provinz-Landschaftsbehörde, „Die Landwirtschaft“, private Grundstücksbesitzer sowie die Koninklijke Nederlandse Jagersvereniging (KNJV) arbeiten auf Provinzebene in einer Fauna-Hegeeinheit zusammen. Die Fauna-Hegeeinheiten verfassen einen Fauna-Hegeplan, der die Basis für die Ausführung der provinzweiten Faunapolitik bildet. Auf dessen Grundlage werden Befreiungen für den Abschuss der Hege- und Schadensarten erteilt. Dies dient z. B. der Regulierung der Anzahl von Rehen zur Vermeidung von Verkehrsunfällen. Zu große Anzahlen bringen viel Unruhe mit sich, wodurch diese Tiere Straßen überqueren, auf der Suche nach neuen Lebensräumen.

Das Flora- und Faunagesetz bildet die Grundlage

Die Basis für die Verwirklichung der niederländischen Wildhege liegt im Flora- und Faunagesetz. In diesem Flora- und Faunagesetz werden die Anforderungen an die Jäger und deren Verpflichtungen beschrieben. Ein Teil dieser Anforderungen besagt, dass man nach intensiver Schulung eine ordentliche Jagdprüfung ablegen muss, bevor man jagen darf.

Darin wird beschrieben, dass der Jäger verpflichtet ist, die Höhe des Wildbestandes unter Kontrolle zu halten und Schäden an Forst- und Landwirtschaft durch Wild zu vermeiden und zu bekämpfen. Im Flora- und Faunagesetz sind z. B. auch die Anforderungen aufgeführt, denen ein Jagdgebiet genügen muss, nämlich einer Mindestabmessung von 40 ha als zusammenhängendes Gebiet.

Wildessen

Der Verzehr von Wild war schon immer beliebt: Es ist schmackhaftes Fleisch ohne künstliche Farb- und Geschmackstoffe. Um dieses Fleisch auf dem Tisch zu bekommen, muss gejagt werden. Die Intensität der Jagd in den Niederlanden richtet sich nach dem Wildbestand oder nach dem Umfang, in welchem Tiere Schäden verursachen. Der Abschuss wird also nicht durch die Nachfrage nach dem Wild bestimmt. Das ist nur gut so, denn es besteht so viel Nachfrage, dass 95 % des verzehrten Wildes importiert werden müssen.

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